Im Gespräch mit Eva Wlodarek
v.l.n.r.: Dr. Peter Kreuz, Dr. Eva Wlodarek
und Anja Förster
Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt! Hmh, ist das tatsächlich so? Ist Schicksal Schicksal oder können wir es beeinflussen? Und wenn ja, WIE können wir das tun? Faszinierende Fragen, finden wir. Findet auch unsere Autorenkollegin Dr. Eva Wlodarek, die darüber ein großartiges Buch geschrieben hat: „Tango Vitale: Von Schicksalsschlägen und anderen glücklichen Umständen“. Vergangene Woche haben wir Eva Wlodarek in Hamburg getroffen und mit ihr über das Leben, ihr neues Buch und ihren Arbeitsalltag geplaudert. Sie ist Psychologin mit eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg, war 20 Jahre als beratende Psychologin bei der Brigitte tätig und hat zahlreiche Bestseller geschrieben, darunter "Wunscherfüllung für Selbstabholer".
Ist Schicksal Schicksal oder können wir unser Schicksal beeinflussen?
Eva Wlodarek: Sowohl als auch. Es gibt Schicksalsschläge, gegen die wir machtlos
sind. Etwa ein Unfall oder eine tödliche Krankheit. Oder positiv die große Liebe, ein
Lottogewinn. Da haben wir nur noch die Freiheit, unsere Reaktion darauf zu wählen.
Aber wir haben auch die Möglichkeit, in ruhigen Zeiten den Verlauf unseres Lebens
aktiv mitzubestimmen.
Wie kann ich denn Einfluss darauf nehmen?
Eva Wlodarek: Hier ist nicht Platz für ein ganzes Buch, oder? Also das Wichtigste in
nuce: Die Kernkompetenz der Glückspilze ist Offenheit für Kontakte und neue
Erfahrungen. Außerdem echte Freundlichkeit und Disziplin bei der Entfaltung eigener
Talente. Last but not least Mut, eine günstige Gelegenheit auch zu ergreifen. Mit
alledem können Sie dem Schicksal schon ziemlich imponieren.
Gibt es einen Menschen, der Sie vielleicht auf eine ganz besondere Art
inspiriert hat, weil er sogar einen Schicksalsschlag in einen Gewinn
verwandelt hat?
Eva Wlodarek: Ich bewundere zutiefst den inzwischen verstorbenen Arzt und
Psychologen Viktor Frankl. Er hat Konzentrationslager überlebt, seine Familie wurde
ermordet. Aus seiner Erfahrung, dass es Kraft gibt, im Leiden einen persönlichen
Sinn zu finden, hat er später die psychotherapeutische Methode der Logotherapie
entwickelt.
Verraten Sie uns ein Geheimnis über das Schicksal?
Eva Wlodarek: Das Schicksal ist das große Geheimnis. Schließlich weiß bis heute
keiner, welche Macht wirklich dahinter steckt. Selbst wenn Sie fest davon überzeugt
sind, dass es Gott, Allah, das Karma, das Universum, Jupiter oder der pure Zufall ist
– es handelt sich immer um einen Glauben, der auf Ihrer Weltanschauung beruht.
Aber ich will mich nicht vor einer Antwort drücken. Ein Geheimnis ist: Das Schicksal
unterstützt alle, die ihrem Herzen folgen. Indem sie zum Beispiel beruflich genau
das tun, wozu sie am besten geeignet sind. Der Wegweiser dazu ist übrigens
Freude.
Das Schicksal ist ein sehr großes Thema. Was hat Sie motiviert, ein Buch
darüber zu schreiben?
Eva Wlodarek: Stimmt, viel größer geht es nicht. Aber mein Interesse ergab sich
logisch aus meinem vorigen Ratgeber „Wunscherfüllung für Selbstabholer“: Warum
haben wir nicht alles in der Hand, selbst wenn wir alles richtig machen? Was setzt
uns da Grenzen? Zumindest den psychologischen Aspekt wollte ich herausfinden.
Nicht zuletzt, weil jeder Mensch ein Schicksal hat und das Thema deshalb uns alle
betrifft.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?
Eva Wlodarek: Als erstes ein Cappuccino, ohne den nichts geht. Dann sind eine oder
mehrere der folgenden Tätigkeiten dran: Vorträge, Seminare und Projekte
vorbereiten. Coaching. An einem neuen Buch schreiben. Experten-Beiträge für
Zeitschriften. Pause erst, wenn der Kopf raucht oder der Magen knurrt. Danach
weiter siehe oben bis zum Abend. Mein Glück ist, dass ich alles liebe, was ich tue.
Ich bin Psychologin aus Leidenschaft, und die verschiedenen Aufgaben haben das als
Basis.
Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie und Ihre Lebenseinstellung
beschreibt?
Eva Wlodarek: Meine Motti – nicht meine Werte! – wechseln nach Bedarf. Das
jeweils aktuelle kommt an die Pinnwand. Zurzeit hängt da: „Verabschieden Sie sich
nicht von Ihrem Leben, ohne alles gegeben zu haben“. Das erklärt sicher auch mein
Arbeitspensum.
Sie leben in Hamburg. Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?
Eva Wlodarek: Elbe, Alster, coole Bar in Eppendorf? Alles nicht. Mein Lieblingsplatz
ist ein kleiner Park am Weiher in Eimsbüttel, wo ich jeden Morgen walke. Kürzlich
diese Szene: Leichter Regen, Trauerweiden, im Wasser steht ein Fischreiher – wie
eine japanische Tuschezeichnung.
Herzlichen Dank für das spannende Gespräch!
Quelle: FÖRSTER & KREUZ GmbH
