Konformismus statt Kreativität
Es ist ein wahres Trauerstück, was sich da auf vielen deutschen Unternehmensbühnen abspielt: Obwohl die Proben zum Theaterstück mit dem schönen Titel "Wir sind innovativ" so vielversprechend verlaufen, die hoch motivierten Akteure alles geben, kommt das Stück vielerorts nicht zur Aufführung. Die meisten Unternehmensintendanten nehmen es lieber wieder aus dem Programm. Begründung: Zu teuer, zu gewagt. Zu groß scheint die Angst, dass das Stück möglicherweise schlechte Kritiken bekommt und so zum Risiko für das eigene Haus wird. Und so erblickt "Wir sind innovativ" nie das Rampenlicht.
Dieses hier beschriebene Szenario wiederholt sich tagtäglich in deutschen Unternehmen. Die Zögerlichkeit und der Unwillen vieler Unternehmer, Innovationen tatsächlich zu realisieren und zum festen Bestandteil des Unternehmensprogramms und der Unternehmensphilosophie zu machen, führen dazu, dass immer mehr deutsche Unternehmen im internationalen Innovationswettbewerb zurückfallen. Sie seien einfach zu langsam, zu behäbig, so Jens-Uwe Meyer, der in einer Studie die Innovationskultur von 200 deutschen Unternehmen untersucht hat[1].
Meyers Fazit ist eindeutig: Obwohl viele Vorstände und Führungskräfte wahre Loblieder auf die Macht der Innovation singen, erfahren kreative Köpfe in ihren Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen nur selten eine adäquate Unterstützung. Meyers Studienergebnissen zufolge fördert nur jedes fünfte Unternehmen aktiv Experimente seiner Mitarbeiter – zu groß scheint die Scheu vor unrentablen Ergebnissen zu sein. Hinzu kommt, dass sich ein Großteil der Unternehmen selbstverschuldet durch zu lange Entscheidungsfindungsprozesse ausbremst. Die Ideen werden tausendmal hinterfragt und so oftmals bereits im Keim erstickt. Mut zum Risiko ist der deutschen Unternehmer Tugend nicht. Die Strukturen in deutschen Firmen und Betrieben sind dermaßen verhärtet und innovationsfeindlich, dass sich progressives Gedankengut nicht durchsetzen kann, weil es oft gar nicht erst zur Sprache kommt.
Dies ist keine gute Bilanz, wenn man den Wirkungszusammenhang von Innovationskraft und Markterfolg bedenkt. Obwohl die Deutschen bei der Entwicklung neuer Techniken nach wie vor führend sind und Deutschland gemeinhin als Land der Tüftler und Bastler gilt, muss ein grundlegendes Umdenken in der Unternehmenskultur stattfinden. Wenn deutsche Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen sie eine neue, offensive Innovationskultur fördern, die Querdenkern die Chance gibt, ihre Ideen zur Entfaltung zu bringen. Einen wichtigen Baustein, der die Unternehmen beim Erreichen dieses Ziels unterstützt, hat die Initiative Mittelstand mit dem INNOVATIONSPREIS-IT geschaffen, der jedes Jahr im Rahmen der renommierten Computermesse CeBIT stattfindet. Bereits seit 2004 prämiert sie damit die innovativsten und zukunftsträchtigsten Produkte und Lösungen aus dem IT-Bereich. Auch 2012 werden davon wieder eine Menge gegeneinander antreten. Jahr um Jahr beweist der INNOVATIONSPREIS-IT so, welches Innovationspotenzial in deutschen Unternehmen schlummert. Jetzt heißt es: Aufwecken.
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[1] Meyer, Jens-Uwe: Erfolgsfaktor Innovationskultur – das Innovationsmanagement der Zukunft. Erschienen im BusinessVillage Verlag. Göttingen 2011.
